Facettenreich! Warum ich so viel mehr bin als nur Schwarz und Weiss

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Hallo! 

Du siehst mich auf Bildern, liest meine Texte, hörst mir zu und weißt doch so gar nichts über mich. 
Du glaubst mich zu kennen, genug über mich zu wissen, um dir deine Meinung bilden, mich beurteilen und in eine Schublade ablegen zu können. 

Doch ich gehöre nicht in eine einzige Kategorie. In keine Schublade.

Mein halbes Leben lang schon werde ich von meinem Umfeld in eine Rolle gepresst. Man hat ein ganz bestimmtes Bild von mir und stellt so eine Erwartungshaltung an mich. Man sieht die Aileen, die immer gut drauf ist, die wie ein Uhrwerk einfach läuft und läuft, nie eine Pause macht, extrovertiert und wahnsinnig selbstbewusst ist und sich selbst am liebsten reden hört. 

Ja ich rede gerne und manchmal ohne Punkt und Komma, aber es gibt auch diese ganz andere Seite an mir. Die ruhige, völlig stille Aileen, die stundenlang da sitzt, dir zuhört, nichts sagt, die einfach nur den Moment vorbei rauschen und Dinge auf sich wirken lässt, ohne sie zu kommentieren.

Es gibt die Seite an mir, die einfach nur gerne beobachtet, genießt und gedankenversunken vor sich hinstarrt und alle Geräusche eliminiert.
Die, die sich ins Auto setzt, Musik laufen lässt, das Handy auf lautlos stellt und die Stadt verlässt, um stundenlang auf das Wasser oder ein leeres Feld zu starren. 

Du glaubst, ich wäre mutig, weil ich schon so vieles allein angepackt, die Welt bereist und mich dem Leben gestellt habe. 
Ich zeige dir, wie stark ich bin, wie ich alles kann, ganz ohne Hilfe. 
Ich frage weder dich, noch irgendjemand anderen. Es fällt mir schwer um etwas zu bitten.

Es gibt die Aileen, die an so vielen Fronten kämpft, weil sie alles allein schaffen muss, weil sie weder Ängste, Sorgen noch Traurigkeit nach außen tragen kann.
Weil sie immerzu sich selbst beweisen muss, wie stark sie sein kann und eben nicht zeigen möchte, wie verletzlich sie eigentlich ist.

Ich lasse meiner ruhigen Seite kaum noch Platz sich nach außen hin auszudrücken, denn präsentiere ich sie, zeigt mein Gegenüber sich völlig irritiert.
So irritierend es auf andere wirkt, wenn ich ruhiger, sentimentaler, emotionaler bin und nicht ununterbrochen rede, so verstörend ist es für mich, dass man mich darauf anspricht und mir diese ruhige Seite überhaupt nicht zutraut. 

Es tut weh ein breites Grinsen zu sehen und die mit leichtem Unterton gewählten Worte „Na ja du redest halt sonst sehr viel“ zu hören, die einem sagen sollen : „ So ruhig?Das bist nicht du.“
Doch, genau das bin ich!

Ich habe gelernt, eine Rolle perfekt zu bedienen, mich dem Bild, welches man von mir hat anzupassen und damit schlicht und ergreifend andere Sachen, vor allem aber Unsicherheit zu überspielen. 
Ich habe vor so vielem Angst, habe meine eigenen Sorgen, weine viel und muss mir so manches Mal ein Lächeln erzwingen.

Instagram ist eine Rolle, die ich bediene. Es ist Marketing für meinen Blog. Ich bin ich selbst, aber es ist nur diese eine Seite an mir, die die man erwartet und sehen möchte.
Du siehst nicht mein ganzes Ich. Du siehst einen Bruchteil von dem wer ich bin. 

Ich bin kein Mensch, der ständig offen mit seinen Gefühlen hausieren geht. Der sein Social Media- Dasein nutzt, um sich an schlechten Tagen Streicheleinheiten abzuholen und mit fremden Menschen private Probleme und Sorgen zu diskutieren. 

Und doch bin ich so viel mehr, als das, was du in mir siehst. 

Alles was du über mich weißt, sind Momentaufnahmen, einzelne Augenblicke im Abstand von mehreren Tagen oder Wochen. Kleine Abrisse einer angekratzten Oberfläche unter dessen Hülle sich so viel mehr verbirgt, als du es zu glauben vermagst.

Du kannst so viele Stunden mit mir verbringen, mir zuhören und mit mir lachen. 
Doch kennen wirst du mich erst, wenn du mit mir geweint hast.
Wenn du bereit bist, hinter die Fassade zu blicken. 
Wenn du dir die Mühe machst, mehr in mir zu sehen, als das oberflächliche Bild, welches du von mir hast.
Ich bin weder nur das eine, noch nur das andere. Ich bin so vieles. 

Du und ich, wir haben etwas gemeinsam. 
Wir erschaffen uns nach außen eine Fiktion dessen, was wir sein möchten. Was wir glauben, was andere ins uns sehen wollen. 
Wir verstecken uns in unserem Alltag hinter einer Maske, lassen immer weniger Gefühle nach außen zu und transportieren dafür viel mehr nach innen, weil wir mit jeder Niederlage, mit jeder Ablehnung und mit jedem schwachen Moment ein Stück mehr an Freiheit verlieren. 
Die Freiheit uns so unbefangen zu zeigen, wie wir sind mit all unseren Facetten.

Ich bin besonders gut darin, andere einzuschätzen, deren Verhalten zu analysieren und Ratschläge zu geben, weil ich es selbst perfektioniert habe, mich hinter einer sehr extrovertierten Aileen zu verstecken, Gefühle und Gedanken zu verbergen und Sachen mit mir selbst auszumachen. Harte Schale und flüssiger Kern!

Ich glaube nicht, du wärst oberflächlich. 
Aber ich weiß, dass auch du mir nur einen Bruchteil all deiner Facetten zeigst und so vieles über dich im Verborgenen bleibt. 

Ich glaub nicht, dass du dir zu bequem bist, dich näher mit meiner Persönlichkeit zu beschäftigen. 
Und ich weiß, dass möchte ich, dass du mich besser kennenlernst, muss ich mich dir mehr öffnen. 
Doch weißt du wie schwer das ist? 

Ich bin kein Mensch hohler Phrasen, dummen Smalltalks und ausgeprägtem Desinteresse.
Lasse ich mich auf jemandem ein, dann, weil ich die Person hinter der Fassade kennenlernen möchte.
Antworte ich dir nicht, dann weil ich gerade einfach nicht kann.

Ich gebe ganz und nie nur ein bisschen. Aber genau damit mache ich mich so unfassbar angreifbar, weil du schneller urteilst, als ich mich dir erklären kann.
Ich habe fast schon Angst, diese andere Seite an mir zu zeigen, weil ich Angst habe andere Emotionen, als die von mir gewohnten, erkennen zu lassen. Weil ich Angst habe, mich angreifbar  zu machen und weil es mir leider eben auch nicht mehr ganz egal ist, was du von mir denkst.

Es fällt mir so unfassbar schwer, dich einzuschätzen und zu wissen, ob ich mich so zeigen darf, wie ich bin, dir viel mehr von mir zu erzählen und dich tiefer an mich ran treten zu lassen. 

Ich möchte dir so gerne zeigen, wie facettenreich ich bin.
Ich möchte dir so gerne zeigen, dass ich mehr bin als schwarz und weiss. 
Ich möchte dir so gerne manchmal einfach nur etwas zeigen und so rein gar nichts sagen. 
Ich möchte dir zeigen, wie optimistisch und wie mutlos ich doch gleichzeitig bin.

Ich möchte so gerne, dass du zwischen den Zeilen liest, mich hinterfragst, dich selbst hinterfragst und wir zusammen viel mehr wir selbst und weniger diese eine festgefahrene Rolle sind. 

Ich wünschte, wir würden weniger werten und mehr akzeptieren. 
Ich wünschte, es würde wieder mehr um uns gehen und weniger um das, was andere von uns erwarten. 

Aber wie soll man man selbst sein, wenn man sich für ungewohntes Verhalten immerzu rechtfertigen muss?
Ich wäre so gern viel mehr ich selbst, aber es gibt eben auch bei mir Unsicherheiten, die ich gerne mal überspiele. 
Ich würde dich so gerne mehr mitnehmen in meine Welt und dir die vielen Farben zwischen schwarz und weiss zeigen, die ich zu bieten habe. 

Ich wünschte, du würdest weniger urteilen, wenn ich mich in einer dir ungewohnten Rolle zeige. 
Ich wünschte, du würdest mich nicht in diese eine Schublade stecken, sondern abwarten, wie ich mir aus jeder deiner gesammelten Kategorien ein Stück herausnehme und sich nach und nach das Puzzle zusammenfügt und mich zu dem macht was ich bin: facettenreich. 

Ich weiß, auch du möchtest nicht auf ewig in dieser einen Schublade verharren, denn auch du bist facettenreich. 

Du, Ich, Wir alle! 



"Don`t judge a book by it´s cover."





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1 Kommentare

  1. Wir ein wundervoller Beitrag, dem ich nur zustimmen kann. Wir sind alle so voller Facetten, warum sollten wir uns da für eine entscheiden? Daumen hoch. :)

    Wishes, Kat

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Ich freue mich auf dein Feedback.
Liebe Grüße Aileen

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