Die Kunst sich selbst zu lieben

12:46:00 AM



Hallo !
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Ich stehe vor dem Spiegel, sehe Falten und dunkle Ringe unter den Augen. 
Meine Haut wirkt irgendwie fahl, wenig gesund und längst nicht mehr so frisch, wie noch vor einigen Jahren. 
"Ich müsste mal wieder zum Wimpern auffüllen." denke ich mir, als ich bemerke, dass meine Augen Dank fehlendem Rahmen klein und müde aussehen. 
"Mist, wieder 5 neue Pickel. 
Dann auch noch direkt auf dem Kinn und der Nase. Auf der Stirn könnte ich es wenigstens noch mit dem Pony verdecken."

Ich bin nur in Unterwäsche. Nicht in meiner schönsten, aber bequem ist sie. 
Ich drehe mich langsam vor dem Spiegel. 
Okay, der Sixpack vom Sommer ist schon fast wieder weg. 
"Vielleicht sollte ich das Plätzchen futtern lassen und stattdessen mal wieder etwas Sport machen. Wenigstens ein bisschen. Fürs schlechte Gewissen." 

Mit der Rückseite zum Spiegel gewannt sehe ich, dass auch der Po wieder etwas mehr hängt, bestimmt ist er auch breiter geworden und zwei Dellen hat er auch. 
Tiefe Dellen. Oh Gott. Schön ist das nicht. Aber gut, das sieht erstmal keiner. Der Sommer ist vorbei und die Bikinisaison auch. 

Schnell Hose drüber und Makeup rauf, dann fühle ich mich wohler. 

*******


Nicht selten stehe ich morgens so da. Kontrolliere, kritisiere und verzweifle. 
Ich habe vieles an mir zu bemängeln. Vor allem, wenn ich mir meine viel jüngeren Bloggerkolleginnen anschaue. 
Wenn ich sie um ihren frischen Teint beneide, um fehlende Krähenfüße, weil sie erst Anfang zwanzig sind, gesünder essen, mehr Sport treiben und vielleicht nicht rauchen, so wie ich früher. 

Wie können die nur so verdammt gut aussehen, so viel Style haben und so selbstsicher sein? 
Wo war mein Selbstbewusstsein mit Anfang und Mitte zwanzig bloß? Damals hatte ich mehr zu bemängeln als jetzt und sah doch eigentlich viel frischer aus.

Ich habe mich immer für zu dick und viel zu klein gefunden. Meine Haare waren für mich sowieso schon immer eine Katastrophe und nun habe ich auch noch das erste graue Haar entdeckt. Prallere Brüste wünsche ich mir und meine hohe Stirn versuche ich auch gerne zu kaschieren. 

Meine Kindheit war nicht durch eine Erziehung, die auf ein gesundes Selbstbewusstsein abzielt, geprägt und so kamen mit dem Alter auch die Verunsicherungen.
Die Selbstzweifel hatten sich in den letzten Jahren Dank vielen Schwangerschaftskilos gehäuft und meine Beziehung auf eine harte Bewährungsprobe gestellt. 

Ich mochte mich nicht, fand meinen Körper unfassbar hässlich, schwabbelig, völlig außer Form geraten und nun wirklich alles andere als sexy. Scheiße, diese ganzen Dellen überall auf meinem Arsch und den Oberschenkeln. Was wollten die da bloß? 
Ich fand mich ja früher schon zu dick ( 54kg bei 1,59m ), was war ich denn da mit 20kg mehr bloß? 

Für mich, die berufsbedingt ( ehem. Hair- und Makeup Artist) schon früher viel Wert auf ihr Äußeres legen musste , ein harter Schlag ins Gesicht, eine Ohrfeige mit nasskaltem Lappen. 
Links - rechts, rechts - links. Mit jedem Blick in den Spiegel aufs neue. 

Fast drei Jahre habe ich rum geheult, mich über das immer noch zu viel an Fett an den Problemzonen beschwert, mich lieber weit statt figurbetont angezogen. 

Praktisch statt stylisch. Lässig statt sexy.  Wozu auch sexy? 
Als Mutter? Bald dreißig. Was ist an dreißig schon sexy? Dreißig klingt ungefähr so sexy wie Bratwurst mit schön langsam gerolltem Rrrrrr. 

Irgendwann machte es KLICK. 
Nein, ich wollte das nicht mehr. Ich wollte mich nicht ständig beanstanden. Ich wollte mich nicht hinter irgendetwas, irgendwem verstecken. 
Ich wollte mich wohlfühlen. Mich so akzeptieren, wie ich bin oder eben einfach daran arbeiten, was mir nicht gefiel. 

Das wird jetzt so ca. ein gutes Jahr her sein. 
Und seit dem ist eine Menge in mir passiert. Eine ganze Menge. Immer wieder. In kleinen und dann wieder größeren Schritten. 

Ich habe gekämpft, meinen Schweinehund mehr als einmal überwunden und meinen Kilos weg trainiert. 
Schritt eins geschafft. 
Obwohl zahlenmäßig immer noch mehr auf der Waage gegenüber meinem pränatalen Ich, habe ich meinen Körper im Sommer als in absoluter Bestform empfunden. 
Nie sah ich trainierter aus. Wahrscheinlich war ich auch nie fitter zuvor. 
Ein Sixpack. Straffer Po. Straffe Schenkel und diese grässlichen Dellen ebenfalls Vergangenheit. 


Körperlich in Form kamen jedoch andere Zweifel. 


Ich fühlte mich sexy. Richtig sexy. Nicht auf diese "I´m too sexy for my Shirt" Nummer, aber eben sexy, einfach als schöne Frau.
Aber darf ich das? 
So als Mama auf der Straße? Als seriöse Bloggerin ? Darf ich sexy sein? Darf ich zeigen, dass ich mich sexy fühle? Darf ich sagen, wie zufrieden ich mit mir bin?

Scheiße verdammt, warum eigentlich nicht? 
Was soll falsch daran sein, mit sich selbst im Reinen zu sein? Selbstzufriedenheit zu verspüren, statt Selbsthass. 

Ich fühle mich wohl, ich fühle mich sexy und das möchte ich auch zeigen dürfen. 
Durch Kleidung, in der ich mich wohl fühle. Durch Bilder auf denen ich mich schön finde. 
Durch ein zufriedenes Lächeln und durch ein paar lobende Worte an und über mich selbst.

Das Internet und vor allem Social Media machen es einem da nicht leicht. 
Postet man zu viele Selfies ist man schnell selbstverliebt und arrogant. Sind diese dann auch noch "freizügiger", in mamaunwürdiger Kleidung und Pose schießt man sich schnell ins Aus der Follower und stößt auch gern auf Unverständnis im Bekanntenkreis. 


Warum eigentlich? Warum darf Frau sich nicht so zeigen, wie sie möchte? 
Warum werden wir schnell in eine Schublade geschoben, wenn wir uns wohlfühlen, uns schön finden, sexy und das auch noch laut sagen? 

Warum legen wir Frauen einander gegenseitig einen Maulkorb an? 

Ich habe nicht dreißig Jahre lang gebraucht, mich genau so zu akzeptieren, wie ich heute bin, stolz zu sein, auf das was ich kann, was ich mache und verdammt nochmal ja auch darauf, wie ich heute aussehe, mit meinen Falten, meinen müden dunklen Augen und meinen Dellen am Po, um es jetzt nicht auch stolz nach außen tragen zu dürfen.
Ich bin doch wer und ich kann was. 


Wo liegt für meine Community die Grenze zwischen sich sexy fühlen, zufrieden sein und einem übertriebenen Narzissmus? 

Ich möchte nicht lasziv in Dessous posieren, mich nicht halbnackt auf einem Teppich räkeln und nicht zeigen, wie ein Mann mich mit seiner Zunge durchbohrt.
Ich möchte mich nicht besser darstellen als andere. Mich nicht hervor heben.


Aber ich möchte sagen dürfen:
Hallo, ich bin Aileen (30) und ich mag mich genau SO, wie ich bin und das zeige ich auch. 

Und genau das Gleiche erwarte ich von dir. 

Denn weißt du, was ich im letzten Jahr über mich gelernt habe? 
Das es nicht die Makel sind, die mich unzufrieden machen. 

Es sind die Blockaden in meinem Kopf, die es zu lösen gilt. Die Vergleiche mit anderen, die Frau stoppen muss. 

Fühl dich sexy, weil du bist wer du bist.
Weil du gesund bist.
Weil du was im Köpfchen hast.
Weil du was kannst, woran andere scheitern. 
Weil du deinen Alltag, den Haushalt und das Elternsein vielleicht ganz alleine wuppst, du keine Zeit für Sport und Maniküre hast und trotzdem schön bist. 
Weil du einen geilen Hintern, tolle Brüste, schöne blonde Locken oder ein strahlendes Lächeln hast. 
Fühl dich sexy, einfach weil du eine Frau bist. 

Und sag es laut. Zeig es. Lass andere wissen, wie wohl du dich fühlst und das du stolz auf dich bist.
Du darfst das. 
Auch mit Extrapfunden oder wenn du ziemlich dürr bist. 
Auch, wenn du zu klein oder groß bist.
Auch, wenn deine Nase vielleicht irgendwie nicht ganz in dein Gesicht passt.
Auch, wenn du keine zwanzig mehr bist. 

Ja ich bin ein Mängelexemplar. 
Ich habe Falten, Fettpölsterchen, bin zu klein und meine Haut hat mit "zart wie´n Babypopo" wohl nicht mehr viel zu tun. 

Und dennoch bin ich heute an einem Punkt, wo ich sagen kann: 

Ich bin sexy. 
Ich bin stolz auf mich. 
Ich schaffe vieles, nicht alles, aber ich versuche es. Immer wieder. 

Und genau das will ich zeigen. Darauf möchte ich stolz sein dürfen. 
Dafür möchte ich mich nicht schämen müssen. Ich möchte mich nicht unwohl fühlen, wenn ich laut ausspreche, wie sehr ich mich mag oder das, was ich tue. 

Denn ich kenne mich aus ganz anderen Phasen. Ich kenne Depressionen und Selbstzweifel.

Nehmen wir die Selbstzweifel aus unseren Köpfen. 
Nehmen wir einander die Angst, uns so zu zeigen, wie wir es für richtig halten und wie wir uns wohlfühlen. Wie wir uns manchmal einfach zeigen wollen und uns wünschen, dass man uns Komplimente gibt.
Sagen wir das, was wir denken ohne andere zu verurteilen.

Geben wir einander Komplimente und fühlen wir uns nicht schlecht, auch welche zu bekommen. 
Lass uns niemanden verurteilen, für seine Selfies ohne begründenden Text. 
Lass uns niemanden verurteilen, für die Kleidung, die er trägt. 
Lass uns nicht die Augen rollen, weil jemand stolz ist auf sich. 
Lass uns stattdessen in den Spiegel schauen und sagen: 

HEUTE FÜHLE ICH MICH SCHÖN! 

Lass uns einfach zufriedener mit uns selbst sein, dann sind wir es auch mit anderen. 

Wir können weder den Zahn der Zeit aufhalten, noch eine neue Persönlichkeit, Intelligenz und ein täglich perfektes Aussehen im Internet bestellen. 

Aber wir können lernen, uns so zu akzeptieren, wie und wer wir sind. 
Auch wenn wir ein "Mängelexemplar" sind. 
Selbstliebe ist wichtig.
Lieben wir uns nicht, lieben wir auch andere nie mit vollem Herzen. 
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LIEBST DEINE P L 


 ++++++++++ IN KOOPERATION MIT PURER SELBSTZUFRIEDENHEIT +++++++++++
       


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1 Kommentare

  1. Hätte ich nur annähernd diesen Punkt schon gefunden...ich freue mich sehr für dich und du kannst zurecht stolz sein.
    Ich gehe statt einen Schritt vor, meist zwei zurück und diese Erkenntnis lässt mich blöderweise nochmal 5 zurückgehen. :( Ich hoffe so sehr, irgendwann daraus zu kommen!!!
    Danke für deine Worte!

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