verbale Gewalt gegen Kinder - Eingreifen oder Wegschauen

2:49:00 PM


Hallo ihr Lieben, 

wie ihr dem Titel bereits entnehmen könnt, möchte ich mich heute einem eher schwierigen und kontroversem Thema widmen.

Ich habe schon oft über einen derartigen Blogbeitrag nachgedacht, ihn aber genauso oft auch wieder verworfen, da ich es für schwierig empfand, das Thema angemessen und sachlich zu behandeln.

Heute möchte ich mich aber der offenen Diskussion mit euch stellen und bin gespannt, welche Ansichten wir hier zusammentragen werden und welchen Standpunkt ihr da bezieht.




Es geht um Gewalt gegen Kinder.
Nicht aber zwangsläufig um die aktive Gewalt, bei der Kinder schwer misshandelt und verprügelt werden.

Dieses Thema ist für mich absolut indiskutabel und definitiv ein NO GO !

Nein... viel mehr möchte ich die verbale und eher "leichte" Gewalt gegen Kinder diskutieren, denn diese ist es, die wir oftmals einfach hinnehmen, bei der wir wegschauen und uns nicht einmischen würden.
Früher war es ganz normal Ohrfeigen und leichte Schläge zu verteilen. Und auch heute ist die Ansicht, dass das völlig okay ist, noch in vielen Köpfen verbreitet, wie es scheint.

Würde ein Kind auf offener Straße von seinen Eltern zusammen geprügelt, würden wir alle Wahrscheinlichkeit nach, sofort eingreifen und versuchen, das Kind zu beschützen.

Beobachten wir aber, wie Eltern ihre Kinder auf der Straße massiv und aggressiv anschreien, sie zurecht weisen und ihnen eine lautstarke Standpauke abhalten,die Kinder unsanft am Arm gepackt und mitgezogen werden, während sich das Kind weinend versucht aus diesem Griff zu lösen. wie viele von uns schreiten dann ein?

Wie viele schauen beschämt weg? Laufen weiter? Wie viele drehen sich nochmal um?
Wie viele denken sich "das arme Kind" und tun doch nichts???

Es sind unglaublich viele. Zu viele.
Schätzen wir die Situation immer richtig ein? Unterschätzen wir sie vielleicht manchmal zu sehr?





Ich wohne, wie ihr wisst, in Berlin. 
Ich würde behaupten, dass mein Wohnumfeld nicht dem klassischen sozialen Brennpunkt entspricht, den man mit bestimmten Ecken Berlins assoziiert. 

Trotzdem beobachte ich beinahe wöchentlich lautstarke Konflikte zwischen Kindern und deren Eltern. 
Ob im Supermarkt, auf dem Spielplatz, beim Vorbeigehen an einem offenen Fenster, auf der Straße, im Bus, der Bahn oder aber leider auch recht häufig im eigenen Wohnzimmer. Nämlich immer dann, wenn ich dem Nachbar über uns lauschen ´darf`...

Ich möchte euch im Folgenden einige selbst erlebte Beispiele nennen und würde mich freuen, wenn ihr sie mit eurer Meinung bewertet und einstuft. Vielleicht mögt ihr auch für euch überlegen, wie oft ihr solche Situationen selbst schon erlebt habt. 
Daheim... bei jemandem zu Gast... oder auf der Straße. 

Beispiel 1: 

Eine Mutter bringt ihre Kinder (ca. 3-5 Jahre) jeden Morgen völlig gehetzt und unter Zeitdruck in die Kita. Jeden Morgen etwa um die selbe Zeit. 
Und jeden Morgen schreit sie ihre Kinder auf genau diesem Weg an:
"Man nun lauft doch mal verdammt. Ey jetzt komm jefälligst aus dem Arsch, jedes Mal kommen wir zu spät wegen eurer Scheiße hier immer. 
Man jetzt beweg deinen Hintern und LAAAAAUUUUFFFEEE... Heute noch verdammt"
Die Kinder laufen ... sie laufen neben ihr oder direkt hinter ihr. Wie zwei Hunden trotten sie hinter ihr her. 
An einem Tag läuft eines der beiden Jungs vor bis an die Straße. Seine Mutter und der kleine Bruder etwa 50m entfernt. 
Er bleibt an der Straße stehen. Er wartet dort. Die Mutter brüllt ihn aus der Entfernung an, er soll sofort zurückkommen. 
Sie brüllt und beschimpft, weil er nicht hört. Er dreht sich nicht um. Er steht einfach nur da. 
Als die Mutter endlich auch an der Straße ankommt, brüllt sie weiter. Sie schimpft, weil er nicht gehört hat. Sie lobt nicht, dass er nicht auf die Straße gegangen ist. Sie lobt nicht, dass er vorbildlich an der Straße gewartet hat. 
Dann stupst sie ihn unsanft an, er solle nun hin machen und über die Straße gehen. 

Beispiel 2: 

Der Vater ist mit seinen 3 Kindern (zwischen 8-12) im Schwimmbad. Die Kinder wollen ausgelassen spielen, hampeln rum und machen Späße. Das Schwimmbad ist noch recht leer und sie können sich frei bewegen. 
Der Vater ist genervt darüber. Er mault und weist die Kinder an, sie sollen sich auf die Decke setzen, solange wie sie noch nicht ins Wasser gehen. 
Irgendwann dürfen die Kinder ins Schwimmbecken. Das Freibad ist mittlerweile gut gefüllt und es sind viele Familien zum Schwimmen gekommen.
Einer der Kinder nimmt seinen Softball mit.
Er spielt nach einiger Zeit mit seinem Bruder und einem weiteren Kind Fussball am Beckenrand. 
Der Vater steht halb versteckt hinter einer Hecke und beobachtet seine Kinder. 
Er raucht dabei eine Zigarette. 
Er beobachtet weiter. Die Kinder werden nach kurzer Zeit vom Bademeister aufgefordert, das Fussballspielen am Rand zu unterlassen, da sie ausrutschen könnten. 
Der Vater beobachtet die Szene. 
Dann begibt er sich in den Schwimmbereich. Er steht zwischen dem großen Schwimmerbecken und dem Kleinkinderbereich. 
Er ruft seine Söhne und die Tochter heran. 
Als sie bis auf 3m herangekommen sind, brüllt er los: 
"Sag mal seid ihr eigentlich total bescheuert?" 
Die beiden Jungs senken ihre Köpfe. Sie schauen nicht auf und trauen sich nichts zu sagen. 
Der Vater brüllt weiter: 
"Ihr habt doch wohl überhaupt nüscht in eure Birne oder wat? Müsst ihr da spielen, wo alle anderen rumrennen und wo ihr euch wat brecht, wenn ihr da hinfallt oder wie? 
Ich seid doch echt sowas von dumm in eure Birnen. Seid ihr echt so behämmert? " 
Mittlerweile zieht die lautstarke Predigt des Vaters die Aufmerksamkeit der umstehenden Badegäste auf sich. Alle beobachten die Szene. Vielen schütteln den Kopf. Manche fangen an zu tuscheln. 
Der Vater verlangt, dass die Kinder sich wieder zur Decke begeben. 
Die Jungs müssen anschließend für über eine Stunde auf der Decke bleiben. 
Den Ball hat der Vater in die Tasche gepackt. 

Beispiel 3:

Der Vater, ein großer kräftiger Mann will seine Frau und das Kind unter Kontrolle haben. Er selbst hat einen Putzfimmel. Er saugt die Wohnung zwei mal am Tag. 
Das Kind ist 4. Sie hat feste Regeln. Feste Zeiten. Für Alles. 
Wenn das Mädchen nicht nach des Vaters Regeln handelt und Blödsinn macht. Dann wird er sauer. 
Er schreit. 
Er wird immer lauter. Das kleine Mädchen weint. Sie wimmert und ruft nach Mama. 
Mama ist nicht zu hören. Sie sagt kein Wort. Der Vater wird immer aggressiver. Man hört, wie er aufgeregt und mit festen Schritt durch die Wohnung stampft. 
Er brüllt das Kind an: " Nun hör doch mal endlich auf zu heuuuuuulllleeeeeeeen!" 
Danach schmeißt er die Kindertür zu. 
Das Kind sitzt nun allein im Zimmer. Sie weint leise vor sich hin. 
Danach lässt der Vater die restliche Wut an seiner Frau aus und beschimpft sie. 
Die Szenerie wiederholt sich jede Woche mehrfach. 

Beispiel 4: 

Die Mutter ist mit ihrem 3 jährigen Sohn in einem Kindermodegeschäft. Es ist bereits früher Abend. Sie müssen gerade erst aus der Kita gekommen sein. 
Sie ist ordentlich gekleidet und arbeitet wahrscheinlich in einem Büro. Ihre Blazer und die Bluse lassen es vermuten. 
Das Kind ist trotzig. Es will nach Hause. Es weint und bockt ein wenig. Immer wieder zieht der Kleine an Mamas Arm. 
Als die beiden an der Kasse stehen, zerrt er an ihr. Fordert sie auf, jetzt mitzukommen. Er möchte gehen. 
Die Mutter reagiert genervt. Sie wird aggressiv und versucht ihn zurechtzuweisen. Sie sagt, er solle das unterlassen und gefälligst warten. 
Der Junge wird ungeduldig. Er kann nicht warten. 
Als er weiter zerrt und sich mit seinem Gewicht zum Boden lehnt, wird die Mutter sauer. Sie drückt seine kleine Hand zusammen und sagt, er solle jetzt sofort aufhören, sonst wäre hier gleich was los. 
Er schreit auf, ist wütend auf seine Mutter. Er gibt ihr einen leichten Tritt mit dem kleinen Fuß in die Hacke. 
Die Mutter dreht sich zornig zu ihm um, tritt mit Schwung auf den kleinen Fuß drauf und fährt ihn an "Du hast mich getreten. Du hörst jetzt sofort auf Freundchen." Sie droht ihm weiter.
Ihr Stimme ist aggressiv und bestimmend. 
Er weint lauter. Diesmal vor Schmerz. Nicht vor Wut. 
Nach dem Bezahlen verlässt die Mutter mit dem Kind gernervt und aufgebracht das Geschäft. Das Kind weint immer noch. Als sie mit zwei Schritten aus dem Geschäft raus sind, packt die Mutter das Kind am Arm, zerrt es zur Seite, packt ihn mit beiden Armen an den Schultern und schüchtert ihn ein: 
" Freundchen, das Spiel brauchst du dir mit mir nicht erlauben. Du trittst mich nicht, sag ich dir, DU trittst MICH NICHT!" 
Der Junge ist eingeschüchtert. Er wimmert. 



Das waren nun 4 Beispiele, die ich in den letzten Monaten selbst erlebt habe.
Nun aber noch ein Erlebnis aus meiner Kindheit.

Ich war ca. 9...
Ich war mit einem Freund zum Spielen verabredet. Ich ging zu ihm nach Hause und wollte klingeln, damit er raus kommt und wir zum Spielplatz können.
Die Fenster seiner Wohnung standen offen.
Ich konnte hören, wie sich zwei stritten. Dann konnte ich ihn hören.
Ich hörte, wie er seine Mutter anflehte: "Mama, nein bitte..."
Dann hörte ich sie: "Ich habe die Schnauze voll von dir"
Sie schlug ihn. Unten auf der Straße stehend konnte ich hören, wie sie ihn im ersten Stock verprügelt. Wie sie ihn gegen eine Wand oder einen Schrank donnerte. Ich hörte, wie es klatschte. Immer und immer wieder.
Ich stand da und war wie festgefroren. Ich konnte mich nicht bewegen. Nicht reagieren. Nichts sagen.
Ich konnte einfach nur zuhören. Ich hörte, wie ein Freund verprügelt wurde.... von seiner eigenen Mama. Hörte wie er weinte und flehte sie solle aufhören.
Hörte wie sie dann mit jeder Bitte nur immer fester schlug.
Dann rannte ich nach Hause.

An diesem Tag habe ich nicht mehr bei meinem Freund geklingelt. Ich habe nie wieder bei ihm geklingelt.
Er hat mir irgendwann erzählt, dass er seine Mutter hasst, weil sie ihn verprügelt.
Ich habe ihm nie gesagt, dass ich an dem Tag da unten stand und alles hören konnte.
Mit 16 hat er sich das erste Mal gewehrt.
Er hat zurück geschlagen. Er hat sich gegen seine Mutter gewehrt, als sie wieder die Hand erheben wollte.
Heute haben die beiden keinen Kontakt mehr.


Wie hättet ihr in all diesen Beispielen reagiert? Hättet ihr eingegriffen? Würdet ihr leise weitergehen. Würdet ihr stehenbleiben, warten... eingreiffen, wenn die Situation eskaliert? Oder schon vorher?

Denkt ihr euch, dass man sich lieber nicht einmischen sollte, weil man es so vielleicht schlimmer macht?

Als Kind stand ich wie gefroren da und konnte nicht reagieren.
Ich konnte mich nicht dagegen wehren ein Teil davon zu sein und es mit anzuhören.
Ich wusste nicht, wie man in so einer Situation hilft.
Ich wusste nicht, ob ich meinen Eltern davon erzählen sollte.
Ich wusste nicht, warum das passiert ist.

Ich war ein Kind.

Heute bin ich eine erwachsene Frau.
Ich habe ein Telefon. Ich habe eine Stimme. Ich kann Situationen gesund einschätzen.
Ich weiß, was richtig und was falsch ist.
Ich weiß, wie ich helfen kann.

Aber wie viele von uns greifen denn nun wirklich ein?Und wann?










Im Gespräch mit anderen Eltern oder Kinderlosen, mit Großeltern oder meinen Eltern stelle ich immer wieder fest, dass gewisse Dinge für ganz normal empfunden werden.

Meine Oma gehörte noch zu der Generation, die in der Schule die Hände flach und mit der Innenseite nach oben auf dem Lehrerpult ausstreckten und 10 Hiebe bekamen, wenn sie den Unterricht störten oder Hausaufgaben nicht erledigt waren.

Für meine Eltern gehörte eine Ohrfeige oder der Schlag mit dem ´ Latschen`in ihrer Kindheit dazu.
Es war normal.
Und es " hat ihnen ja nicht geschadet"

Auch ich habe die ein oder andere Ohrfeige bekommen.
Auch mir hat es nicht geschadet. Denkt man.
Ich habe Abitur, einen tollen Beruf und bin in keinster Weise zu einer Psychopathin heran gewachsen.
Ich wurde nicht verprügelt. Nein. Ich habe nur ein paar Mal eine Ohrfeige bekommen.
Ich habe meiner Mutter als erwachsener Mensch gesagt, dass ich das nicht gut fand. Das ich mich nicht wehren konnte und ich das nicht verstehe.

Wo fängt Gewalt für euch an?
Beim Verprügeln? Bei einem harmlosen Klapps? Oder schon viel früher?

Ich möchte euch um etwas bitten:

Bittet euren Partner, dass er sich auf einen Stuhl stellt, während ihr euch auf den Boden hockt.
Dann soll euer Partner euch so richtig anbrüllen. Euch beschimpfen, von oben herab und besonders laut. (Vielleicht geht ihr dafür lieber in den Wald ;) )

Dann möchte ich, dass ihr das Spiel umdreht. Euer Partner soll in diese Rolle schlüpfen und ihr brüllt ordentlich drauf los.

Dann überlegt beide, wie ihr euch in der jeweiligen Situation gefühlt habt.

Könnt ihr euch nun vorstellen, wie das Kind sich fühlt?
Ihr habt euch sicher eingeschüchtert gefühlt, erniedrigt und vielleicht hattet ihr sogar richtig Angst, dass etwas schlimmes passieren könnte.
Genau da fängt bereits Gewalt an.
Seelische Gewalt.
Das Ausnutzen seiner Überlegenheit und die aktive Manipulation des Schwächeren...auch das ist schon Gewalt.
Der Unterschied zwischen euch und einem Kind?
Ihr versteht die Situation. Ein Kind nicht.

Gewalt muss nicht immer aktiv und in Form von körperlicher Misshandlung stattfinden.
Für ein Kind ist das aggressive Verhalten, eine verbale Misshandlung, Erniedrigung, öffentliche Demütigung usw. genauso schmerzhaft, wie Schläge.
Es hinterlässt Spuren und schädigt die positive Entwicklung der Persönlichkeit des Kindes.

Kinder verdienen es nicht, dass man sie von oben herab anbrüllt, sie anschreit, sie beleidigt und entmutigt.

Kinder verdienen, dass man sich mit ihnen auf Augenhöhe trifft. Mit ihnen kommuniziert, wie mit einem Erwachsenen, nur eben in einfacheren Sätzen.
Sie verdienen, dass man sie für gute Leistung auch mal lobt und sie Zuspruch erfahren.

Mögt ihr angeschrien werden? Würdet ihr es wünschen, dass euer Partner oder der Chef euch jedes Mal lautstark runter putzt, euch vor Kollegen, Verwandten oder den Nachbarn bloß stellt?
Sicherlich nicht.
Ihr könnt euch wehren.
Ihr könnt kündigen, euch vom Partner trennen usw.
Kinder können das nicht.
Sie sind ihren Eltern meist ausgeliefert.
Kinder sind extrem empfänglich für Liebe, für Zuwendung und Anerkennung.
Sie sind gleichzeitig aber auch empfindlich bei Ablehnung und Demütigung.










Einem Kind weh zu tun, dafür braucht es nicht viel.
Eltern ist es oft gar nicht bewusst, wie sehr sie die Kinder mit ihren primitiven Erziehungsmaßnahmen verletzen.

Allein der Satz "dann hat Mama dich nicht mehr lieb" ist eine Drohung an das Kind, die seelischen Druck aufbaut und das Kind überfordert und einschüchtert.

Ich kann nicht erwarten, dass mein Kind sich zu einem gesunden und besseren Menschen entwickelt, wenn ich ihm dafür nicht ein gutes Vorbild bin.

Viele unterschätzen den Aspekt der Konditionierung.
Konditionierung ist das Lernen durch Wiederholung.

Ein Kind, welches nie erlebt hat Konflikte ruhig und sachlich zu lösen, zu reden und normal zu diskutieren, wird sich damit auch als Erwachsener schwer tun.

Ein Kind was immer wieder mit Liebe unter Druck gesetzt wurde, wird es aller Voraussicht nach auch in späteren Beziehungen dahingehend nicht leicht haben und nur schwer Vertrauen aufbauen.

Sie haben sich über viele Jahre an das Gegenteil gewohnt, sind quasi darauf trainiert bei Konflikten aggressiv zu reagieren und nicht in der Lage eine gesunde und sachliche Diskussion zu führen.

Liebe als Druckmittel ist eine Form seelischer Gewalt und sollte niemals eine Option sein.

Kinder sollten niemals auf offener Straße, daheim, bei Freunden oder sonst wo gedemütigt werden.

Auch wenn mein Kind mich provoziert, ich gestresst bin und vor Wut explodieren möchte, so ist es meine Pflicht, dem Stand zu halten, mich zu beherrschen und dem Kind auf Augenhöhe zu begegnen.

Es ist nicht mein "gutes Recht" als Erwachsener zu zeigen, wie viel mehr Macht ich habe als das Kind.
Niemals!

Es ist aber mein gutes Recht ein Kind zu unterstützen und es als Opfer zu beschützen.

Dabei ist es völlig egal, ob es das eigene, das einer Freundin oder ein völlig fremdes Kind ist.

Man muss und darf nicht immer wegschauen, auch wenn eine Situation für einen nicht immer "gefährlich" erscheint und man das Kindeswohl nicht in Gefahr sieht.

Gewalt fängt früher an. Nicht erst mit dem ersten Schlag!

Unter diesem Aspekt wünsche ich mir, dass ihr die Beispiele meiner Erlebnisse noch einmal überdenkt und mir vielleicht schreibt, was ihr meint, wie und ob man in diesen Situationen angemessen reagieren könnte.
Wie schätzt ihr dieses Thema ein und ab wann seht ihr Handlungsbedarf?

Ich finde den Austausch über so ein emotionales Thema extrem wichtig und hoffe, er kann hier vielleicht in gesitteter Form stattfinden.

Vielleicht wollt ihr eigene Erlebnisse anbringen, wo ihr sogar eingeschritten seid, wo ihr gelähmt wart und nicht wusstest, was ihr tun sollt oder wo ihr im Nachhinein sogar bereut habt, nichts gesagt zu haben.
Auf Wunsch teile ich in einem nächsten Beitrag dann auch mit, wie ich mit in diesen Situationen verhalten habe.

Wie steht ihr zu dieser Thematik? 


Ich bin gespannt....

Liebste Grüße
EURE P L

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6 Kommentare

  1. Du hast mich zu Tränen gerührt.
    Ich bin Mama einer 10 fast 11 jährigen Tochter und ich bin sehr drauf bedacht meine Tochter ohne verbaler und natürlich erst recht ohne körperliche Gewalt zu erziehen. Grund : auch ich wurde als Kind Teenager verbal und körperlich misshandelt. Mit 12 ging ich freiwillig ins Heim, aber auch immer wieder zurück nach hause.
    Teilweise hatte ich keinen Kontakt mehr weil ich nicht mehr konnte.
    Ich versteh bis heute nicht richtig das warum aber für mich war klar mein Kind nicht.
    Das letzte mal als ich geschlagen wurde war ich 31 und an diesem Tag habe ich es endlich geschafft einen Punkt zu setzen. Gegen die Schläge habe ich immer wieder versucht mich zu wehren, leider war ich kraftmäsig völlig unterlegen. Aber ich habe die Person angezeigt . Mit 31. Auch wenn dabei nichts raus kam meiner Seele tat es einfach gut.
    Ich habe noch Kontakt, wenn auch nicht regelmäßig und aber immerhin. Aber meine Tochter hab ich bis heute noch nie länger in der Obhut der betreffenden Person gelassen. Denn diese erziehe ich , ganz ohne Gewalt . Einfach mit Verständnis und liebe.
    Denn meine püppi ist mein ein und alles.

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  2. Du fragst nach unserer Meinung. Nein, schön finde ich verbale Gewalt nicht, das sollte nicht passieren.
    Deine Beispiele sind allerdings auch sehr eindeutig, aber wo genau fängt verbale Gewalt für duch an?

    Ich habe meine Tochter letztens auch auf offener Straße aber sowas von angeschrien, weil sie nicht auf mich gehört hat und einfach mit ihrem Fahrrad über die Straße gefahren ist und fast von einem Transporter angefahren wurde. Ob ich sie damit gedemütigt habe, weiß ich nicht. Ich weiß nichtmal, was ich zu ihr gesagt habe. Es endete aber damit, dass ich sie schluchzend an mich gedrückt habe. Normalerweise hält sie sich an die Verkehrsregeln, wir fahren ja auch jeden Tag mit dem Fahrrad.

    Auch im Alltag kommt es durchaus vor, dass ich lauter werde, bilde mir aber ein, dass ich sie dabei nicht herabwürdige oder gar beleidige.

    Ich finde es auf jeden Fall schwierig, die meisten Fälle sind ja eher nicht so eindeutig, ich kenne auch niemanden, der so mit seinem Kind umgeht, auch in der Öffentlichkeit erlebe ich sowas eher selten. Ich muss auch ehrlich gestehen, dass ich nicht weiß, ob ich eingreifen würde, zumindest nicht, wenn ich die Leute nicht kenne.

    LG
    Birgit

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    Replies
    1. Liebe Birgit,

      ich glaube in deinem Beispiel muss man zB klar definieren und unterscheiden.

      Ich glaube, aus Angst und Schreck "über zu reagieren" ist etwas völlig anderes als sein Kind bewusst anzubrüllen und es unter Druck zu setzen.
      Ich habe Loona auch schon wegen genau sowas mal angeschrien, wie du es beschreibst, das ist aber in dem Moment keine Wut und Agressivität, die uns dazu verleitet, sondern der Schreckmoment und das Adrenalin, was natürlich sofort hoch jagt.
      Dein Kind weiß dann aber trotzdem, dass du es lieb hast und dir gerade Sorgen gemacht hast und nicht, dass du sie zB. für den nächsten Fehler mit Liebesentzug bestrafst.

      Und klar sind meine Fälle recht eindeutig, aber genau da schauen immer so viele Menschen wird, obwohl sie recht eindeutig sind.

      Das man vielleicht auch mal lauter wird, auch das ist irgendwo normal, denn man kann nicht immer und überall die Contenance bewahren.
      Ich denke aber, es gibt ein gesundes Mittelmaß und eine Grenze, die man überschreiten kann.

      Wir versuchen zB wirklich nie zu brüllen, sehr laut zu werden oder ähnliches. Warum?
      Weil ich es ganz furchtbar finde, wenn sie mir auf die selbe Art begegnet und mich dann anschreit.

      Ich glaube, ich bin einmal sehr laut geworden, weil ich sauer war und sieht hat dann zurück geschrien.
      ich fand das für mich sehr schlimm und seit dem, bleibe ich auch in solchen Situation leise.
      Kinder sind nun mal unsere Spiegel und werden sich unser Verhalten als Vorbild nehmen.
      Ich sage zB auch nicht, dass Eltern nicht auch mal gefrustet, wütend, gestresst etc. sein dürfen und vielleicht auch mal unangemessen reagieren dürfen... zu laut, pampig oder oder... aber so lange, wie man seinem Kind Respekt gegenüber bringt und nicht versucht, seine eigene Überlegenheit zu demonstrieren ist auch sowas mal okay. Wir sind auch nur Menschen und haben Gefühle und auch wir brauchen ein Ventil und können immer ruhig und sachlich sein.

      Ich glaube aber, dass wir beide durchaus am gleichen Strang ziehen, daher ganz lieben Dank für dein Kommentar und liebste Grüße
      Aileen

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  3. Ich finde es toll, dass du dieses Thema ansprichst. Gerade bei Fremden, in der Öffentlichkeit, ist es so ne Sache sich einzumischen. Bei körperlicher Gewalt habe ich auch schon eingegriffen, mich danach aber nicht wirklich besser gefühlt. Das Kind blieb ja trotzdem bei der ohrfeigenden Mutter, diese wäre mir dann fast an die Gurgel gegangen und viele Leute haben drumherum gesessen (Freibad) und nichts dazu gesagt, obwohl ich vorher gesehen habe, dass der Übergriff sie zumindest betroffen machte. Trotzdem war es gut, dass ich mich eingemischt habe, denn so hat das Kind zumindest erfahren, dass es nicht normal ist geschlagen zu werden und, dass es ein Recht auf eine gewaltfreie Erziehung hat, was immer es damit dann auch anfangen kann.
    In den von dir beschriebenen Fällen ist es schwierig. Bei Nachbar würde ich eventuell meine Hilfe anbieten: Frage nach Überforderung, Bewusstmachen des Problems und versuchen Lösungen finden und wenn es nur die Info über Hilfen ist.
    Im Kindergarten kann man die Erzieherinnen bitten mal einen Elternabend vom z.B. Kinderschutzbund zum Thema zu veranstalten udn hoffen, dass die betreffenden Eltern hingehen, wobei sowas den anderen auch nicht schadet. Aber für die anderen Fälle habe cih auch keien Lösung. Man ist einfach auch nicht immer in der "Stimmung" einzugreifen. Wenn ich einen guten Tag habe, kann ich mich eher auf eine solche Auseinandersetzung (und das ist es in den meisten Fällen) einlassen, als wenn es mir grade selber nicht so gut geht.
    Die Frage die sich mir vielmehr stellt ist: Greifen wir in unserem Bekannten/Familienkreis eher ein? Das ist füpr viele Menschen nämlich durchaus noch schwieriger, da man dort unter Umständen auf gute Beziehungen angewiesen ist. Auch hier finde ich es am einfachsten das Thema außerhalb einer aktuten Situation anzusprechen, ganz in Ruhe udn ohne Beisein des Kindes/der Kinder.
    Hach, es ist ein schwieriges Thema und ein Grund, warum ich nie beim ASD arbeiten könnte. Ich würde zuviele Kinder aus den Familien nehmen......
    Übrigens ist es nicht so, dass ich nie rumschreie, aber es ist mir meistens bewusst und ich versuche dann auch schnell wieder ruhiger zu werden, was natürlich nicht immer gelingt. Mein schlimmster Satz, den ich bestimmt fünfmal am Tag sage ist "Ihr nervt!" Und dann hat mein Zweijähriger neulich zu mir gesagt: "Mama, du nervst!" da gings mir richtig schlecht. Seitdem versuche ich es nicht mehr zu sagen, aber wenn ich von der Arbeit komme bin ich meistens eh nicht so super entspannt und dann wieder die drei mit ihrem Krach.... hach!
    Auf jeden Fall, danke für das Thema, dessen man sich immer wieder bewusst sein sollte!

    Liebe Grüße, Katharina


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    Replies
    1. Liebe Katharina,

      vielen Dank für dein ausführliches Kommentar.
      ich möchte direkt mal deine Frage aufgreifen.
      Ich persönlich glaube auch, dass sich viele im Bekannten-/Verwandtenkreis noch hilfloser fühlen und überfordert sind und daher am Ende oftmals nicht eingreifen.
      Obwohl man meinen würde, dass gerade dann der Mut ja größer ist, ist es oft die fehlende Distanz zu den Betreffenden, die einen dann nicht eingreifen lässt.
      So zumindest meine Erfahrung und von dem, was ich höre.

      Ich glaube, viele greifen hier erst dann ein, wenn es wirklich eskaliert oder wenden sich ab, weil sie damit nicht umgehen können bzw. wollen.

      Grundsätzlich aber auch hier schwierig und sicherlich nicht zutreffend für alle.
      dein "Mama. du nervst" Beispiel kenne ich.
      Kinder nehmen uns als Vorbild und daher muss man tatsächlich immer sehr bedacht sein, was man wie macht.
      Klingt komisch, aber gut für dich, denn so merkt man tatsächlich, wie doof das für den Gegenüber vielleicht auch ist, wenn es aus deinem Mund kommt und du sagst ja, seit dem willst du es vermeiden.
      Das ist aber kein Vorwurf oder Zeigefinger, denn hier gibt es auch solche Situationen, aus denen ich dann lerne, weil ich ihr so ein verhalten nicht beibringen wollte und mache es beim nächsten Mal besser.


      Vielen Dank und liebste Grüße

      Delete
  4. Dein Text passt bei gerade sehr gut, denn gerade vor ein paar Tagen hatte ich eine ähnliche Situation, die mir sehr zu denken gegeben hat und wo ich nicht wusste, wie ich mich verhalten sollte. Eine Mutter kommt wild schimpfend und meckernd in den Hortraum, weil ihr Sohn eine Brotzeitdose verbummelt hat. Sie hat ihn vor allen anderen richtig zur Schnecke gemacht und ihn gezwungen, alles noch einmal zu durchsuchen. Ihm war es sichtlich unangenehm und nach weiterem lautstarken Geschimpfe hat er fast geweint. Mein Sohn war sehr irritiert über den Umgangston und zu allem Überfluss beschuldigt die aufgebrachte Mutter sogar noch andere (inklusive meinen Sohn) die Dose eingesteckt zu haben. Ich habe sie darauf hingewiesen, dass ich mich in so einem Umgangston nicht auf ein Gespräch einlasse und schon garnicht beschuldigen. Das Kind stand verdutzt daneben, dass der Furie jemand wagte, Widerworte zu geben. Leider habe ich mich auch nicht getraut, ihr zu sagen, dass das Verhalten ihrem Sohn gegenüber auch nicht korrekt war...den ganzen Abend haben mein Sohn und die Situation ausgewertet und waren beide sehr froh, dass wir nicht so schlimm miteinander umgehen. Vor allem...wegen einer Brotdose? What the fuck? Immer wieder kommt man in solche Situationen, ich traute mich bisher dann leider auch nur was zu sagen, wenn es mich direkt betroffen hat..Die Frage ist allerdings, ob es wirklich etwas bringt, sich einzumischen und ob das Kind nicht zuhause dann aufgrund meines Verhaltens dann nicht eine noch viel größere Abreibung bekommt...Trotzdem danke für Deinen Beitrag. Es tröstet ein wenig, dass offensichtlich auch andere Antennen für verbale Gewalt haben und in dem gleichen inneren Konflikt stehen. Viele Grüße, M.

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