Wie soll man mit dem Thema Krieg umgehen? Als Blogger im Spagat...

17:39:00




Zugegeben, es fällt mir schwer mich in einen normalen Blogbeitrag zurück zu finden und die Artikel so zu schreiben, wie sie ursprünglich angedacht waren, wie ihr sie kennt...
Ich bin auf meinem Blog Null politisch und möchte es auch nicht sein.
Trotzdem beschäftigen mich aktuell die selben Gedanken, wie alle anderen auch. 



Ich lese mich durch Zeitungsartikel, Reportagen und Blogs. Durch emotionale Beiträge. 
Ich lese die Worte Mitgefühl, Trauer, Angst, Wut und Unverständnis. 

Ich tippe meine Beiträge und lösche sie wieder. 
Ich fühle mich gelähmt von dem Zustand, nicht zu wissen, was an dieser Stelle angebracht ist und was nicht. 

Was darf ich sagen? Worauf muss ich achten? Soll ich einfach weiter machen wie bisher und so tun, als wäre das nicht passiert? Zumindest nicht hier...nicht auf meinem Blog. 
Oder doch? 

Gehe ich auf Instagram und lese mich durch die verschiedene Accounts, so ist es, als würden meine unsicheren Gedanken dort den öffentlichen Kampf austragen...

Man diskutiert, beschimpft und motzt an der einen Front....

"Alle posten jetzt hier ihre Mitgefühls-Scheiße, um Reichweite zu erzielen.Das ist doch auch wieder nur um Aufmerksamkeit für sich zu bekommen"

...und gleichzeitig heißt es an anderer, dass Blogger in ihrer öffentlichen Rolle  geradezu verpflichtet seien, sich zu äußern.

Pro-Kontra Diskussionen, die mal mehr mal weniger sachlich bleiben, wohin das Auge reicht. 

Entschuldigt, wenn ich angesichts der Geschehnisse nichts belangloser finde, als solche Kommentare zu verfassen und sich zu erdreisten Blogbeiträge, die sich mit der aktuellen außenpolitischen Situation befassen, zu verurteilen und gar schlecht zu reden. 

Okay... ich stimme zu, der ein oder andere Blogger wirft vielleicht mit Halbwissen oder gar falschen Fakten um sich und man fragt sich tatsächlich, auf welche Informationen sich der jenige gerade stützen möchte. 

Dennoch: 

Jemanden verurteilen und Heuchelei vorwerfen, der den Weg seine Gefühle zu verarbeiten über den Blog sucht soll besser sein? 
Sind die meisten Blogs nicht genau dafür da? Sich über seine Gefühlswelt und aktuelle Ereignisse zu äußern? 
Warum sollte man als Blogger so etwas nicht thematisieren dürfen? 
Nur weil es so viele tun?
Weil man angeblich nichts anderes vor Augen hat, als die eigene Reichweite auszubauen? Weil man wahrscheinlich als Modeblogger nicht genug Hintergrundwissen besitzt, um in der angemessenen Position zu sein? 
Weil Blogs nur über schöne Dinge schreiben dürfen? 
Weil man als kreativer, Reise oder Modeblog nicht über Politik, Krieg und Attentate schreiben sollte? 

Warum nicht? 

"Ich finde als Blogger muss man darüber schreiben. Die stehen in der Öffentlichkeit und sollten genau über sowas auch berichten und nicht nur immer über ihren Fashionkram und gesponserte Klamotten"

Auch auf dieses Kommentar folgten hitzige Diskussionen.

Für mich ist diese Aussage genauso unannehmbar wie erstere.

Seit wann bin ich als Blogger, welchen Genres auch immer, dazu verpflichtet mich zu bestimmten Dingen zu äußern?

Seit wann verliert man als Blogger an Achtung, wenn man in Situationen wie diesen auch mal wortkarg wird? Wenn man einmal nicht die richtigen Worte findet?
Wenn man an dieser Stelle einfach nicht weiß, wie man sein eigenes Gefühlschaos in den Griff bekommen soll und sich somit auch nicht in der Lage sieht, einen Beitrag zu verfassen? 

Teilt man weniger Mitgefühl und Trauer, wenn man sie nicht öffentlich mit allen teilt?

Wisst ihr, ich habe vor über zwei Jahren meinen Blog begonnen, ohne auch nur einen Funken Ahnung davon zu haben. 

Ich habe keine anderen Blogs gelesen, hatte keinen Vorstellung darüber, was mich erwarten würde. 

Heute lese ich mehr Blogs, als mir manchmal lieb ist, denn zunehmend zerbricht meine kleine heile BloggerWelt. Meine zarte unbefleckte Sphäre beginnt zu bröckeln und verliert ihren Glanz. 

Je mehr ich lese, desto mehr wird mir bewusst, dass größere Followerzahlen auch dazu führen, dass man Menschen anlockt, die sich nicht immer zu benehmen wissen.

Selbst jetzt, wo wir gewiss andere Dinge zu tun haben, uns über wichtigeres Gedanken machen sollten, wird noch auf einer Ebene diskutiert, die teilweise im Niveau erbärmlicher nicht sein könnte. 

Erbärmlich trifft es. 
Man könnte all diese Energie, die Zeit und die vielen geschriebenen Worte für etwas positives, sinnvolles nutzen. 
Man könnte etwas schaffen und ein Statement setzen.

Stattdessen bewerfen wir uns virtuell mit Dreck und ergötzen uns an der angeblichen Dummheit anderer. Und das auch noch mit Stolz. 

"Dann bin ich halt asozial... mir doch egal. Bin ich stolz drauf. Trotzdem darf ich das hier sagen, wenn ich das will und da werden mich auch keine dummen, unterbelichteten Tussis wie du von abhalten können. XY (Blogger) kann mich ja auch blocken, wenns ihr nicht passt. Juckt mich NULL"

Derartige Kommentare finde ich unter Posts in denen es um Paris geht...um Flüchtlinge...um Syrien und Terrorismus.

An welcher Stelle haben ich den Faden verloren, dass mir nicht klar wird, warum das sein muss? 

Ich fühle mich manchmal sooo unglaublich gesegnet von der Tatsache, dass ich all das nicht unter meinen Posts lesen muss. 
Noch nicht. 

Es nimmt mir bereits die Freude, bei anderen zu lesen...Wie wäre es erst, dass bei mir in den Kommentaren zu finden? 

Als Blog lebe ich von den Reaktionen. Von Likes. Von Kommentaren. Vom Teilen der Beiträge. Von Kritik genauso wie von Zuspruch. 

Die Reaktionen der Leser zeigen, ob ein Blogbeitrag gut, mittelmäßig oder schlecht ist. 

Nicht nur als Blogger, sondern auch als Leser hält man so viel Macht in seinen Worten und bestimmt, ob ein Blog mit seinen Postings steht oder fällt. 

Ich kann als Leser sachlich meine Kritik äußern oder wie im neuesten Trend unter die Gürtellinie hinweg dummes Zeug von mir geben und mich tatsächlich im Recht sehen, das auch zu dürfen. 

Ich frage mich, was manche Leute von Bloggern erwarten... 

Soll ich authentisch bleiben und darüber schreiben was mir in den Sinn kommt und über das was mich bewegt, unverblümt, direkt und ehrlich? 
Oder soll ich schön schreiben?

Von meinem erfüllten Leben als erfolgreiche Bloggerin, die alles hat was man im Leben braucht, die keine schmerzhaften Erfahrungen kennt, die keine Ängste und Sorgen hat?  

Was wollt ihr lesen? 

Wie soll man also als Blogger, egal mit welcher Thematik man sich normalerweise auseinandersetzt, nun mit dem Thema Krieg, mit Terror und Anschlägen verhalten? 

Ignorieren? Darüber schreiben? Handeln? - egal wie, es wird immer welche geben, die deine Entscheidung dahingehend verurteilen. 

Das stimmt mich traurig. 

Mindestens genauso traurig, wie das was hier um uns herum und fern von Europa passiert. 

Wir haben alle eine Stimme und wir können damit so viel schaffen und doch nutzen wir sie oft nur, um uns gegenseitig zu verurteilen, gegeneinander zu hetzen und zu beleidigen.



Ich für meinen Teil habe mich dazu entschlossen zu handeln. 
Mit den Mitteln, die mir möglich sind. 

Ich möchte meine Stimme nutzen und damit mein Zeichen setzen......

Gemeinsam mit meiner so lieb gewonnenen Rebekah Ginda arbeite ich seit einigen Tagen mit viel Herz an einem Projekt, was zumindest einen kleinen Beitrag leisten soll.

Als Bloggerin bin ich nicht allmächtig. 
Ich habe keine riesige Followerzahlen (darüber bin ich aktuell sehr glücklich!)
Ich kann nicht die Welt verändern.
Ich kann nichts ungeschehen machen. 
Aber ich kann das tun, was ich bereit bin zu tun...... 

Man muss nicht hinter jedem Beitrag den krankhaften Versuch Aufmerksamkeit bekommen zu wollen sehen... 

Man muss nicht ständig anderer Leute Gedanken umlenken und ihnen etwas vernichtendes anhaften...

Man muss nicht immer alles kritisieren.... 

Manchmal kann man auch einfach akzeptieren... tolerieren... respektieren....


Mit viel Hochachtung 
EURE P L 

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9 Kommentare

  1. Liebe Aileen!
    Du sprichst mir als der Seele - ich hätte es besser nicht sagen können.
    Egal ob laut oder leise, im außen oder ganz mit sich - jeder hat doch seine ganz eigene Art mit solchen Geschehnissen umzugehen.
    Ihr Blogger seid auch "nur" Menschen - die tief getroffen, sprachlos, verständnislos oder traurig sind.
    Manche thematisieren das - andere nicht...
    Ich persönlich bin der Meinung das jeder das Recht hat das für sich selbst zu entscheiden.
    Wofür ich kein Verständnis habe - weder auf Blogs noch in den Social Medias - sind respektlose, abwertende oder sonstige Kommentare dieser Art!
    Wenn jemand etwas schreibt das mir nicht passt habe ich die Möglichkeit das a) nicht zu lesen oder b) Kritik respektvoll zu äußern (als meine eigene Meinung, und nicht als Beleidigung!) das gilt meiner Meinung nach für alle Bereiche.
    Die Welt hat zu viel Hass, Neid, Ärger...jeder sollte bei sich anfangen aufzuräumen und nicht bei anderen.
    Ich lese sehr gerne bei und von dir und dem Monkeybabe und dem Italiener - die fröhlichen, bunten Beiträge, aber auch die die zum nachdenken anregen, denn wenn es mit Emotionen geschrieben ist berührt es. Da kann ein "scheinbar-heile-Welt-Blog" für mich nicht mithalten. Ich brauche Herz und Hirn...
    Bleib so wie du bist, und mach es so wie es für dich richtig ist!
    alles liebe für dich ❤️
    Ana.Cara ��

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  2. Liebe Aileen, bitte verfasse weiter solch respektvolle Worte. Ich finde es auch nicht richtig, andere anzugreifen, nur weil sie ihre Angst oder den Schmerz mit unbedachten, oft nicht bewusst böse gemeinten Worten, zum Ausdruck bringen. Jeder geht anders damit um... Ich wurde neulich von ach soooo toleranten Menschen beschimpft, weil ich ein Video geteilt habe. Sollten wir doch allen ihren Kosmos lassen? Viele schauen auch leider auf die großen Probleme, ohne die kleinen der Nächsten zu bemerken. Ich mag deine Art zu schreiben sehr!

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  3. Liebe Aileen, bitte verfasse weiter solch respektvolle Worte. Ich finde es auch nicht richtig, andere anzugreifen, nur weil sie ihre Angst oder den Schmerz mit unbedachten, oft nicht bewusst böse gemeinten Worten, zum Ausdruck bringen. Jeder geht anders damit um... Ich wurde neulich von ach soooo toleranten Menschen beschimpft, weil ich ein Video geteilt habe. Sollten wir doch allen ihren Kosmos lassen? Viele schauen auch leider auf die großen Probleme, ohne die kleinen der Nächsten zu bemerken. Ich mag deine Art zu schreiben sehr!

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  4. Hey, schön das du das so offen ansprichst. Du wirst es kaum glauben, ich hatte mir erst heute Morgen ähnliche Fragen gestellt. Gehört es hier hin, oder Dort hin? Ich kann die Frage nicht beantworten, auch muss das alles bei mir erst sacken, aber Sorgen mache ich mir trotzdem und ich bin der Meinung, dass man das auch gerne äußern darf. Leider kann man es nie allen recht machen. Nur würde ich mir wünschen das Leser einfach über unerwünschtes hinweglesen und es unkommentiert lassen anstelle sich im Ton zu vergreifen. Und nein ich finde nicht, das es Aufmerksamkeiterhaschend ist. Ein Blog ist eine Plattform um sich mitzuteilen und nichts Anderes. Ungeschminkte Wahrheiten gehören nun mal dazu. Liebe Grüße Monique

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  5. Wunderbare Worte. Ich blogge zwar selbst nicht aber ich frage mich ähnliches. Äußert man sich dazu? Wie? Passt es hierhin oder dorthin? Trotzdem finde ich das du auf deinem Blog genau das ansprechen kannst und solltest was DICH bewegt. Lg Mell_ily

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  6. Danke für das Aussprechen deiner (wie auch meiner) wirren und irren Gedankengänge - Respekt vor den Entscheidungen anderer ist immer ein guter Weg und ich wünsche dir, dass du deinen Weg findest! LG Ingrid

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  7. Liebe Aileen, auch ich bin viel im Netz unterwegs, allerdings als stiller Leser. Ich nutze dies, um kreative Ideen zu sammeln, neue Informationen zu lesen oder einfach mal zum stöbern. Ich auf Deiner Seite bin ich gern unterwegs. Deine Worte jetzt hier aber veranlassen mich dazu, mich auch einmal zu äußern. Hier im Netz sind so viele Leute unterwegs, deren einziger Sinn am Tag besteht, zu kommentieren, bewerten, beleiden... teilweise auch ohne manchmal zu wissen, worüber sie sprechen. Natürlich, das Netz ist anonym, aber haben einige nur dann ein Bestreben, sich zu äußern? Widerspiegelt das nicht schon unsere Gesellschaft? Wo ist das Zwischenmenschliche gebliebenen? Haben wir das nicht alle in die Wiege gelegt bekommen? Und vor Allem, genau das ist doch der Anfang von all den Problemen, mit welchen wir momentan kämpfen. Und wie geht es dann weiter? Ich, weiß, das ist groß geschrieben. Aber auch ich habe meine Meinung und ja, auch ich teile diese mit Anderen und ja, auch ich habe Angst vor all den Dingen, die um uns herum geschehen. Ich spreche gerne mit Freunden darüber und auch mal gerne mit Menschen, die ich nicht wirklich kenne. Kritik und Meinungen höre ich mir dabei auch gerne an. Und natürlich bin ich auch, wie jeder von uns, manchmal verärgert, wenn der Gegenüber meine Meinung nicht teilt oder seine für mich einfach nur unverständlich ist. Dann aber diskutiere ich gern über Argumente und natürlich schaue ich auch, wer mein Gegenüber ist. Nicht, um eine Meinung aufzudrücken, sondern vieleicht überzeugen zu können oder auch mal meine Sichtweise ändern zu können. Übrigens muss eine Diskusion nicht im immer damit enden, das einer Recht und der andere Unrecht hat. Oft ist solch ein Gespräch einfach manchmal nur der Anfang von einem Weg. Es ist so furchtbar, was alles so in der Welt passiert, da sollten wir uns doch nicht an solchen, für Dingen festbeißen. Ich finde es toll, wie Du mit all solchen Sachen umgehst. Keine ständigen Post, um immer wieder das Gleiche zu diskutieren. Trotzdem sachlich und mit tollen Worten das Thema aufgegriffen. Mich als Fan hast Du sicher. Auch für Deine Kreativität. Ich kenne Dich nicht persönlich, drück Dich aber mal einfach für diesen Post und mach weiter so. Sei lieb gegrüßt von Conny

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  8. Ich finde das hast du sehr gut beschrieben. Mir ist in diesen Tagen ähnlich ergangen. Ich finde, bleibe einfach du selbst und mach alles so wie du denkst. Wer seine Meinung dazu öffentlich kundtun möchte soll dies tun, wer nicht sollte es lassen. Verbiege dich nicht, weil andere es so erwarten. :)

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Ich freue mich auf dein Feedback.
Liebe Grüße Aileen

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